Amazonen

AmazonomachyDa ich selbst gerne über unabhängige Frauen und stolze Kriegerinnen schreibe, finde ich den Amazonenmythos nicht nur als Geschichtsinteressierte äußerst spannend, sondern auch als Autorin überaus inspirierend.

Einen besonders schönen Überblick in dieses Thema bietet der im Jahr 2010 erschienene Ausstellungskatalog, den das Historische Museum der Pfalz in Speyer herausgegeben hat.

Amazonen – Gehmeinisvolle Kriegerinnen ist ein reich bebildeter und ansprechend gestalteter Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, die ich leider nicht besuchen konnte. Doch unabhängig davon bietet dieses wirklich schöne Buch in zahlreichen, breit gefächerten Artikeln einen kenntnisreichen Einblick in die Thematik.

Wissenswertes über den Mythos der „männergleichen“ Frauen (wie Homer sie nannte) führt den Leser in eine Welt voll wundersamer Geschichten über die geheimnisvollen Kriegerinnen. Welche Vorstellungen über die Amazonen herrschten im antiken Griechenland oder wie wurden sie in der griechischen, skythischen oder persischen Kunst dargestellt? Welche Funktion kam dem Mythos über die Amazonen zu? Ob als mythische Städtegründerinnen oder als Gegenentwurf bzw. Verankerung der herrschenden Gesellschaftsordnung, in dem Mythos um kämpfende Frauen finden sich vielschichtige Aspekte wieder.

Doch gab es diese Frauen wirklich? Im nächsten großen Abschnitt befassen sich die abwechslungsreichen Artikel der verschiedenen Autoren mit dem historischen Kern der Legenden. Archäologische Funde begleiten den Leser in die Welt der Steppennomaden. Frauengräber mit Waffen als Grabbeigaben aus dem 7. bis 4. Jhd. v. Chr. legen die Vermutung nahe, dass es im skythisch geprägten Raum Kriegerinnen gegeben haben könnte.

Dass kriegerische Frauen ein lange Tradition gehabt haben könnten, darauf weisen auch neolithische Gräberfunde hin, in denen z.B. Pfeilspitzen aus Feuerstein gefunden wurden oder Dolche aus Flint. Die lange Reihe von Frauen, die mit Waffen bestattet wurden, setzte sich bis in das frühe Mittelalter fort, belegt durch Bestattungen von Frauen, denen Waffen mit ins Grab gegeben wurden (z.B. in Heidenheim).

Der letzte große Abschnitt befasst sich mit den nachantiken Amazonen, ihrer Darstellung in Kunst und Literatur oder in der Selbststilisierung französischer Frauen im 17. und 18. Jhd. (im Zuge der Französischen Revolution). Personifizierten im Mittelalter die Amazonen noch den Rand der christlich-europäischen Kultur, in dem sie in räumlicher Nähe zu mythischen Schreckensvölkern gerückt wurden, waren sie im 19. Jhd . Studienobjekte wie die Amazonen von Dahomey, die in Völkerschauen „vorgeführt“ wurden.

Bei einem Buch über Amazonen fehlen auch nicht die modernen Amazonen-Mythen, seien es z.B. nun Wonder Woman, Red Sonja oder Xena.

Der Ausstellungsband zeichnet ein überaus facettenreiches Bild der Amazonen, das auch viel über uns selbst und vielleicht sogar über unsere heutigen Geschlechterrollen verrät. Alles in allem für mich persönlich ein wunderschönes Buch in einer hervorragenden Qualität, besonders lehrreich und inspirierend.

Amazonen
Geheimnisvolle Kriegerinnen
herausgegeben vom Historischen Museum der Pfalz Speyer
Edition Minerva
308 Seiten, 400 Abbildungen in Farbe
24 x 28 cm, Pappband gebunden.
ISBN 978-3-938832-62-2

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