Karten erzählen Geschichte(n)

Wieder einmal habe ich ein wunderbares Buch gefunden und gelesen, das mein Interesse für Geschichte und Geographie bestens verknüpft. (Danke an Petra Wiemann, die mir auf ihrem Blog Elementares Lesen dieses Buch schmackhaft gemacht hat.)

© Theiss

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Simon Garfields Buch „Karten!“, dessen deutsche Ausgabe 2014 im Konrad Theiss Verlag erschienen ist, schickt den Leser auf einen vergnüglichen Rundgang durch die Geschichte der Karten.

Von Eratosthenes Geographika über die mittelalterlichen Weltkarten bis hin zu OpenStreetMap führt Simon Garfield den Leser auf lesenswerten 520 Seiten, aufgeteilt in 22 Kapitel, mit unterhaltsamen Geschichten durch die Jahrhunderte.

Spannende Hintergründe und viele humorvoll verpackte Information zeigen vor allem wie sehr sich Weltanschauungen geändert haben, denn Karten sind immer auch ein Abbild der Welt so wie der Mensch sie sich vorstellt. Da kann es dann schon einmal passieren, dass Kalifornien eine Insel ist oder ganze Gebirge erfunden werden.

Dazu gibt es spannende Entdeckerberichte, wissenswertes über die Erfindung des Reiseführers oder die Funktion von Karten in Filmen und Büchern. Apropos Bücher und nur so am Rande … hüstel … auch in meinem Debütroman „Mitternachtsrot“ gibt es eine Karte (liebevoll gestaltet vom Verlag ohneohren).Karte-von-Dschanor Schon als Kind habe ich mit Vergnügen und dem Finger auf einer Karte die Helden auf ihrem Weg durch ein unbekanntes Land begleitet und exotische Orte besucht, ohne das Sofa verlassen zu müssen (und es macht mir immer noch Spaß).

Obwohl mir schon einiges bekannt war, was Simon Garfield in „Karten!“ berichtet (z.B. Kapitel 12: die Identifizierung von Krankheitsursachen mit Hilfe von Karten), konnte mich das Buch immer noch mit zusätzlichen Informationen überraschen, wie z.B. mit den über 100 Inseln im Pazifik, die es im 19. Jahrhundert noch gab (und nein, die sind nicht durch den Anstieg des Meeresspiegels verschwunden). Wer genaueres wissen möchte, dem empfehle ich in Kapitel 11 den Exkurs „Die dreisten Lügen des Benjamin Morrell“.

Leider sind sämtliche Abbildungen (insgesamt 130) nur in schwarz-weiß. Gerade Karten leben doch auch durch ihre Farbgebung. Ich hätte mir auch ein bisschen mehr Tiefe und Details gewünscht, z.B. bei der Erklärung der verschiedenen Projektionsarten, aber das liegt wahrscheinlich eher daran, dass ich früher selbst an der Erstellung thematischer Karten beteiligt war und daher auch ein fachliches Interesse an der Kartographie habe.

Aber als ein fundiertes Lesebuch, das zwar manchmal etwas abschweift und eher anekdotisch das Thema Kartographie behandelt, habe ich mich keinen Moment gelangweilt. Meiner Meinung nach ein gelungenes Buch für jeden, der sich für Geschichte(n) und Geographie (und wie sehr Karten unsere Sicht auf die Welt bestimmen) interessiert.

Simon Garfield
Karten!
Ein Buch über Entdecker, geniale Kartografen und Berge, die es nie gab

1. Ausgabe 2014, Konrad Theiss Verlag, Darmstadt
aus dem Engl. von Katja Hald und Karin Schuler
ISBN (geb. Ausgabe): 978-3-806-22847-2
520 Seiten; 130 Illustrationen, schwarz-weiß

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